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Beurteilungskriterien 2008

Motto: "Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen"

Der Wettbewerb um den 10. Europäischen Dorferneuerungspreis war geleitet von der Intention, besonders herausragende beispielhafte Aktivitäten und Initiativen „vor den Vorhang" zu bitten und - unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes - zu prämieren. Vorrangiges Kriterium war, dass die gesetzten Maßnahmen gemäß dem „Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa und im Sinne der Lokalen Agenda 21 darauf abzielten, zu einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher räume beizutragen. Das Motto des Wettbewerbes „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen" forcierte jene Dörfer und ländlichen Kommunen in Europa, die den vielfältigen Veränderungen der Sozialgemeinschaft Dorf durch zeitgemäße, menschengerechte und leistbare Projekte Rechnung tragen.

A. Orientierung und Strategien
   1. Nachhaltigkeit
   2. Ganzheitlichkeit
   3. Visionäre und innovative Ausrichtung
B. Methoden
   1. Eigeninitiative und Bürgerbeteiligung
   2. Aktive und permanente Kommunikation der Akteure  
       (PolitikerInnen, Behörden, BürgerInnen)
   3. Prozessbegleitung und/oder Prozessbetreuung durch ExpertInnen
   4. Kooperation in lokalen, regionalen und gegebenenfalls auch   
       Staatsgrenzen überschreitenden Netzwerken und Partnerschaften

So wurde die Siegergemeinde Sand in Taufers bewertet

Europäischer Dorferneuerungspreis 2008

Sand in Taufers, Südtirol, Italien

Sand in Taufers zählt 5100 EinwohnerInnen und startete seine Erneuerungsbewegung im Jahr 2000. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage die wertvollste Ressource der Gemeinde darstellen. Dieser Ansatz hat die JurorInnen ebenso beeindruckt wie der Anspruch auf Ganzheitlichkeit und der hohe Grad an thematischen, räumlichen und interkommunalen Vernetzungen gepaart mit Beispiel gebenden gesellschaftlichen Innovationen.

Folgerichtig ziehen sich Bildungsinitiativen -jährlich rund 80 Weiterbildungsveranstaltungen mit etwa 900 TeilnehmerInnen, eine „Genossenschaft für Weiterbildung", die pro Jahr zwei Bildungsprogramme erstellt, mehrere Bildungszentren mit modern ausgestatteten Schulungsräumen, die Vergabe von Bildungschecks durch die Gemeinde an die BürgerInnen, eine multifunktionale Bibliothek, die auch mit neue Medien aufwartet -wie ein roter Faden quer durch alle Handlungsfelder.

Sehr viel Wert wird dabei auch auf die Qualifizierung der MitarbeiterInnen der Gemeindeverwaltung gelegt, um ihren Aufgaben in einer von einem hohen Grad an Bürgerbeteiligung geprägten Gemeinschaft gerecht werden zu können. Engagement und Eigeninitiative der Bevölkerung werden in Sand nämlich nicht nur zugelassen, sondern als das wichtigste Steuerungselement des Entwicklungsprozesses angesehen, das es von Seiten der Gemeinde zu fördern gilt - mittels Infrastrukturen, mittels Schulungen zur Befähigung zur Beteiligung, mittels Vorträgen von Experten und Impulsveranstaltungen, die Entscheidungshilfen bieten und zur Auseinandersetzung mit neuen Themen anregen.

Weitere Entwicklungsschwerpunkte sind:

- Bewusstseinsbildung, Information und Aktion zum Thema erneuerbare Energie und Energiesparen: Energiekonzept; Niedrigenergiehäuser, Einsatz von Windenergie, Wasser, Erdwärme und Photovoltaik, bäuerliche Biogasanlage zur Stromerzeugung mit Vorbildwirkung über Norditalien hinaus, Realisierung eines Hauses der Energie;

- Highlights im Bereich von Wirtschaft und Landwirtschaft: Käsefestival, das rund - 10.000 Besucher anzieht; die Ahrntaler Aktivbauernhöfe, die auf attraktive Angebote und professionelles Marketing setzen; Tourismusleitbild, das Wirtschaft und Natur einerseits und Gäste und Einheimische andererseits als gleichberechtigte Partner sieht;

- im Naturschutzbereich: neu angelegter Naturlehrpfad; zahlreiche Naturschutzgebiete u. Biotope; Umgestaltung des Freibades zu einem See; „Naturparkhaus" im Dorfzentrum von Sand in Taufers, das dem Besucher die Einzigartigkeit dieser Bergwelt in all ihren Facetten näher bringt; Bewusstseinsbildung für die Naturschätze bereits in Kindergarten und Schule;

- Mobilität und Siedlungsgestaltung: qualitätvolle Sanierung ortsbildprägender Gebäude und Schaffung eines attraktiven Zentrums, das vielfältigen Funktionen gerecht wird; kluges Verkehrskonzept, das motorisierten Verkehr einschränkt und Fahrrad und Fußgänger fördert; Eigeninitiativen von Unternehmern, die Verkehr vermeidende Aktivitäten ihrer Mitarbeiter unterstützen und belohnen; ein mit erneuerbarer Energie betriebener Citybus verbindet ab November 2008 das Dorfzentrum von Sand in Taufers mit den umliegenden Siedlungen;

- Kultur und Identität: Projekt "Kulturmeile" -31 Stätten mit kulturhistorischer, siedlungsgeschichtlicher, wirtschaftsgeschichtlicher oder kunstgeschichtlicher Bedeutung wurden als Taschenbuch aufbereitet; Sicherung von altem Wissen und alten Kulturtechniken, was nicht nur Identität stiftet, sondern auch touristisch in Wert gesetzt wird;

- Zeitgemäße soziale Einrichtungen: Altenbetreuung, Sommerkindergarten, gemeindeeigene Altenwohnungen, „Essen auf Rädern", Sozialsprengel mit einer Vielzahl von Leistungen, „stille" Nachbarschaftshilfe, vielfältiges, beeindruckendes Projekt "Offene Jugendarbeit", Frauenkreise (Diskussion, Motivation, Weiterbildung - beispielsweise für JungunternehmerInnen), "Haus für Brasilien" und andere Spendenaktionen mit starker Beteiligung der Bevölkerung;


Sand in Taufers besticht durch eine Vielzahl an miteinander vernetzten, aufeinander abgestimmten und in kommunale, regionale und in internationale Konzepte eingebundenen Projekten, die als markante Stationen auf dem Weg zu einer zukunftsorientierten und basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität anzusehen sind. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt, was in Kombination mit einem sehr ausgeprägten Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, und einer klaren Innovationsorientierung die Überzeugung stärkt, dass in Sand in Taufers ein nachhaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde, der noch viele Erfolge zeitigen wird.

Mit diesem Brief hat die Geschäftsführerin der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung Frau Dr. Theres Friewald-Hofbauer dem Bürgermeister der Gemeinde Sand in Tauerfers Helmuth Innerbichler die Entscheidung der Jury mitgeteilt.

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