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Energieeinspar-Contracting

Um den Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden insgesamt zu reduzieren, hat sich Sand in Taufers für das Modell des Energieeinspar-Contracting entschieden. Ein externer Energieberater (Contractor) wurde 2005 mit dem Aufbau eines kommunalen Energiemanagements (KomEM) beauftragt. Das Projekt Energieeinspar-Contracting hat eine Vertragsdauer von 3 Jahren (1.03.2006 - 28.02.2009). Im März 2009 wird der 3. und letzte Energiebericht vorgelegt. Das Projekt wird dann von einem Mitarbeiter der Gemeinde weitergeführt. Einzel- und Gesamt-Ergebnisse können in den drei Energieberichten nachgelesen werden.

1. Energiebericht 2006
2. Energiebericht 2007
3. Energiebericht 2008


Prinzip des Energieeinspar-Contracting
Das Energieeinspar-Contracting wird zwischen der Gemeinde (Contract-Nehmer) und dem Dienstleistungserbringer (Contractor) abgeschlossen. Ein Vorteil dieser Art von Contracting ist die Optimierung und Modernisierung bestehender Anlagen ohne Kapitalaufwand (Investitionen) für den Contract-Nehmer. Aufwendungen für notwendige gering-investive Maßnahmen gehen zu Lasten des Contractors. Die Kosten, die für die Inanspruchnahme der Dienstleistung des Contractors entstehen, werden durch die eingesparten Energiekosten finanziert.Nach dem festgelegten Vertragsende erfolgt die Übergabe des KomEM zur selbständigen Weiterführung an den Contract-Nehmer. Die eingesetzte Energiemanagement-Software wird dafür der Gemeinde kostenlos überlassen (Software und Lizenz ca. 1.000 €).

Kostenverlauf beim Energieeinspar-Contracting

WiRo Energie&Konnex Consulting: Energieeinspar-Contracting- Ein Auslaufmodell? – Praxiserfahrungen -. Online in Internet. URL: www.wiro-consultants.de/download/Energiespar-Contracting.pdf S.6 (Stand: 24.03.2006).



Das Modell des Energieeinspar-Contractings bietet für die Gemeinde Sand in Taufers eine Reihe von Vorteilen:

• vollständige energetische Datenerfassung der Liegenschaften
• Optimierung und Modernisierung der Anlagen ohne Investitionen
• Wertsteigerung der Liegenschaften
• Sensibilisierung zum Thema Energieeinsparungen und Umweltbelastung
• Vorschläge zur Modernisierung und Erneuerung von Anlagen durch Dritte als Entscheidungsgrundlage für Sanierungsplanungen der Gemeinde (dargestellt im Energiebericht des Contractors)


Öffentliche Gebäude
Folgende Objekte in Sand in Taufers sind laut Vertrag Gegenstand des KomEM. Die Energieverbrauchswerte der einzelnen Gebäude sind aus der Ersterfassung des externen Energieberaters hervorgegangen und beziehen sich auf den Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2005, wobei die Verbrauchswerte Wärme witterungsbereinigt sind:

Nr.

Objekt

Fraktion

Wärme (kWh/a)

Strom(kWh/a)

1

Grundschule/ Kindergarten

Rein

123.090

8.722

2

Feuerwehr

Rein

66.964

3.637

3

Grundschule/ Kindergarten

Ahornach

147.710

14.716

4

Feuerwehr

Ahornach

34.467

8.873

5

Kindergarten

Kematen

44.249

4.680

6

Feuerwehr

Kematen

55.621

4.994

7

Feuerwehr

Mühlen

82.135

8.333

8

Sportplatz

Mühlen

33.581

6.100

9

Rathaus/ Bibliothek/ Museum

Sand

222.030

98.087

10

Kindergarten

Sand

198.200

21.067

11

Bürgersaal

Sand

146.970

39.184

12

Feuerwehr/ Jugendraum

Sand

58.902

15.230

13

Musikpavillon

Sand

54.432

8.413

14

Mittelschule

Sand

263.510

57.780

15

Grund-/ Musikschule

Sand

246.250

44.257

16

Tennis-/ Sporthalle

Sand

262.540

74.798

17

Sportplatz

Sand

33.890

4.514

18

Bauhof/ E-Werk

Sand

134.700

54.510

 

 

Summe

2.209.241

477.894


Aufgrund einer Erhebung des Finanzdienstes der Gemeinde sind für diese öffentlichen Gebäude im Jahr 2004 Energiekosten (Strom und Wärme) von 205.000 € angefallen. Die jährlichen Energiekosten pro Einwohner belaufen sich somit auf 41 €. Die öffentliche Straßenbeleuchtung und Sondernutzungen (Eislaufplatz, Weihnachtsbeleuchtung usw.) werden dabei nicht berücksichtigt.

Folgende Leistungen werden über den Vertragszeitraum erbracht:

Teil 1

Referenz-verbrauchswerte

Erfassung und Auswertung der Ausgangswerte für Wärme und Strom sowie Rücksprache bzw. Abstimmung der Referenzwerte mit dem Auftraggeber (AG) und endgültige Auswahl der Objekte.

Teil 2

Bestands-aufnahme

Einmalaufnahme (Zähler, Rechnungen, Stammdaten); Erstaufnahme Technik (HLK, Beleuchtung) und Baukonstruktion.

Teil 3

Energie-controlling

Monatliche Erfassung des Heizenergie- und Stromverbrauches, Betriebsstunden- und Wärmemengenzähler anfangs durch Auftragnehmer und den AG, später nur mehr AG; Eingabe der Daten in die Software – Auswertung und Vergleiche.

Teil 4

Schwach-stellenanalyse

Regelmäßige Begehung der Liegenschaften mit: Kontrolle der technischen Anlagen und Zähler, erfassen, protokollieren und erläutern bestehender Mängel; Ggf. unmittelbare Behebung bestehender Mängel oder Umsetzung nicht bzw. gering investiver Maßnahmen, die zur Senkung des Energieverbrauchs führen; Erstellen einer Liste aller Liegenschaften und Maßnahmen, für die, eine Grobanalyse bzw. Feinanalyse vorgenommen werden sollte.

Teil 5

Tarifoptimierung

Durchführen von Tarifanalysen für Liegenschaften mit auffälligen Bezugskosten für Energie und ggf. Optimierung der Bezugskonditionen.

Teil 6

Energiebericht

Erstellen eines jährlichen, fortschreibungsfähigen Energieberichts; Darstellung der Entwicklung des Verbrauchs, der Kosten und Emissionen.

Teil 7

Qualifizierung des AG durch Auftragnehmer

Einarbeitung eines Mitarbeiters der Verwaltung in das Themenfeld KEM und die Software im Rahmen der Begehungen und Besprechungen. Durchführung von Energietreffs für Hausmeister, Motivation/Schulung von Gemeindepersonal.

Teil 8

Leistungen des AG

Bereitstellung aller notwendigen Unterlagen, Zugang zu Objekten, Stellen eines Projekt- und eines Objektverantwortlichen, Zeitaufwand für den Projektverantwortlichen.


Finanzierungsmodell und Erfolgsbeteiligung
Für die Inanspruchnahme der Dienstleistungen des Contractors fallen für die Gemeinde keine zusätzlichen Kosten an, sobald 3,6% an Energieeinsparungen erzielt werden. Die Kosten des Projekts sollen durch die erzielten Energiekosteneinsparungen gedeckt werden. Zu berücksichtigen sind aber zusätzliche interne Verwaltungskosten (z.B. Personal-, gering-investive Materialkosten), die durch das Energieeinspar-Contracting anfallen.Das Honorar für den externen Energieberater ergibt sich aus einer Mischkalkulation aus einem jährlichen fixen Grundbetrag und einer variablen Erfolgsbeteiligung.

Während der Vertragslaufzeit von 3 Jahre zahlt die Gemeinde eine jährliche fixe Grundvergütung an den Dienstleister, welche im Fall der Gemeinde Sand in Taufers 7.380 € (inkl. MwSt.) beträgt, was 3,6% der jährlichen Energiegesamtkosten des Jahres 2004 entspricht.
Zudem beteiligt sich der Dienstleistungserbringer an den tatsächlich erreichten Kosteneinsparungen. Diese variable Beteiligung an den nachgewiesenen Kosteneinsparungen beträgt 50% bei einer Energiekosteneinsparung bis 10% der Gesamtenergiekosten (inkl. MwSt.). Wird diese festgelegte Einsparungsquote (10%) überschritten, so reduziert sich die Erfolgsbeteiligung für die zusätzlich eingesparten Prozente der Energiekosten auf 25%. Diese Reduzierung wird damit gerechtfertigt, dass die Gemeinde einen Ansporn und Anreiz zur vollen Mitarbeit am Projekt an den Tag legt.

Prinzip des Energiespar-Contracting



Projektstart
Die Gemeinde übermittelt dem Dienstleistungserbringer zu Projektanfang eine Liste allen Liegenschaften. Zudem werden auch alle Unterlagen bezüglich des Verbrauches von Erdgas, Heizöl und Strom der letzten drei Abrechnungsjahre zur Verfügung gestellt. Aus diesen drei Abrechnungsjahren wird für jede Liegenschaft ein Referenzverbrauch ermittelt. Diese Informationen bilden die Grundlage für den Vertrag.

Ermittlung der Einsparungen
Die Energieeinsparungen der einzelnen Liegenschaften werden aus der Differenz zwischen dem vereinbarten Referenzverbrauch und dem Verbrauch im jeweiligen Vertragsjahr ermittelt. 

+ Referenzverbrauch
- Verbrauch im jeweiligen Vertragsjahr
= Energieeinsparungen der einzelnen Liegenschaften



Witterungsbereinigungen beim Wärmeverbrauch und andere notwendige Bereinigungen werden in der Ermittlung der Energieeinsparungen berücksichtigt.
Die tatsächlichen Kosteneinsparungen pro Liegenschaft ergeben sich aus den Verbrauchseinsparungen multipliziert mit den durchschnittlichen Energiebezugskosten des jeweiligen Jahres.

Kosteneinsparungen = Verbrauchseinsparungen x Ø Energiebezugskosten

Aus diesen Kosteneinsparungen ergibt sich die variable Erfolgsbeteiligung des Contractors.


Schlussfolgerung
Die Gemeinde Sand in Taufers muss mindestens 3,6% der Energiekosten einsparen, um keine Mehrausgaben zu produzieren bzw. die fixe Grundvergütung zu decken. Im ungünstigsten Falle entstehen der Gemeinde Mehrkosten, denen aber erhebliche Leistungen des Contractors gegenüberstehen: Eine Schwachstellenanalyse, Verbesserungs- und Optimierungsvorschläge, eine Energiemanagement-Software mit Einarbeitung eines Mitarbeiters sowie eine vollständige Datenerfassung des Energieverbrauchs und der Energiekosten erhält die Gemeinde auf jeden Fall. Bei jährlichen Energiekostenersparnissen von mindestens 8% realisiert die Gemeinde effektive finanzielle Einsparungen.


Mit der Einführung des KomEM fallen für die Gemeinde zusätzliche Personalkosten (15 Tage pro Jahr zu 8 Std. Arbeitszeit je Tag und zu Projektbeginn zusätzlich einmalig 5 Tage) und Materialkosten an, welche die möglichen Energiekosteneinsparungen der Gemeinde reduzieren. Die Personalkosten des Projektverantwortlichen der Gemeinde Sand in Taufers belaufen sich für Projektlaufzeit auf ca. 5.900 €. Um den langfristigen Erfolg des Projekts zu sichern, wird es nach Projektende notwendig sein, den/die Mitarbeiter/in weiterhin mit den Aufgaben des kommunalen Energiemanagements zu betrauen, was angesichts der knappen Personalressourcen in den Gemeinden eine Herausforderung darstellt.

Filme und Bilder

NEUE FILME: InterReg IV Projekt: „Aufbau einer grenzüberschreitenden CO² -neutralen Energiemodellregion Ahrntal - Oberpinzgau

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